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  • Janine Knüppel

Umgang mit unangenehmen Gefühlen

Wer mag schon unangenehme Gefühle? Doch unangenehme Gefühle gehören zu unserem Leben dazu. Sie lassen sich nicht vermeiden. In seinem Buch "Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei" zeigt Russ Harris einen Weg, der uns helfen kann, mit diesen Gefühlen Frieden zu schließen und wieder handlungsfähig zu werden.




Stress, Belastungen und Krisen erzeugen inneren Druck und unangenehme Gefühle. Unangenehme Gefühle lehnen wir oftmals ab und fangen (unbewusst) an gegen sie zu kämpfen oder sie zu kontrollieren. Unsere Muskeln werden angespannt, ziehen sich zusammen. Wir fühlen uns im Körper z.B. im Nacken, Schultern oder Bauchbereich verspannt. Es ist fast so, als würden wir versuchen, diese Gefühle mit Gewalt aus unserem Körper zu pressen oder klein zu halten. Doch das macht die Verspannung und das unangenehme Gefühl noch schlimmer.


Eine Methode, die uns helfen kann, unangenehme Gefühl anzunehmen, ist „Ausdehnung“. Ausdehnung heißt, dass wir unangenehmen Gefühlen Raum geben. Also genau das Gegenteil unseres bisherigen Verhaltens. Anstatt etwas zu unterdrücken, öffnen wir uns. Anstatt die Spannung zu verstärken, lassen wir sie los. Die Erfahrung hat gezeigt, wenn wir unangenehmen Gefühlen genug Raum geben, bedrücken oder belasten sie uns nicht mehr.


Der Druck wird gelindert, die Anspannung gemindert und den Gefühlen die Freiheit gegeben, sich zu bewegen. Manchmal werden sie sich sehr schnell bewegen; manchmal bewegen sie sich eher langsam. Aber solange wir Raum für sie schaffen, kommen sie in Bewegung. Und was noch wichtiger ist: Ausdehnung macht uns frei, unsere Energie für die Schaffung eines besseren Lebens einzusetzen, statt sie in nutzlosen Kämpfen zu verschwenden.


Die vier Schritte der Ausdehnung


1. Schritt: Beobachten

Beobachte die Empfindungen in Deinem Körper. Nimm Dir etwas Zeit, Deinen Körper von Kopf bis Fuß zu scannen. Nimmst Du mehrere unangenehmen Empfindungen wahr, entscheide Dich für das, das Dich am meisten belastet.

Es können beispielsweise ein Forsch im Hals, ein Knoten im Magen oder ein weinerliches Gefühl in Deinen Augen sein. Sammle jetzt Deine Aufmerksamkeit auf dieser Empfindung. Und beobachte sie neugierig, wie ein Wissenschaftler, der ein neues, interessantes Phänomen entdeckt hat. Wo beginnt es? Wo endet es? Welche Form oder Farbe hat es? Wo ist es am intensivsten? Wo am schwächsten? Ist es leicht oder schwer? Warm oder kalt?


2. Schritt: Atmen

Atme in die Empfindung hinein und um sie herum. Starte mit einigen tiefen Atemzügen (je langsamer, umso besser). Entleere Deine Lunge vollständig, wenn Du ausatmest. Langsames, tiefes Atmen ist wichtig, denn es senkt das Spannungsniveau in Deinem Körper. Es wird nicht bewirken, dass das Gefühl weg geht, aber es schafft eine ruhige Mitte in Deinem Inneren, die Dir Stabilität gibt.


3. Schritt: Raum schaffen

Wenn Dein Atmen in die Empfindung und um sie herum fließt, ist es so, als schaffst Du in Deinem Inneren zusätzlichen Raum. Du öffnest Dich und schaffst einen Raum um diese Empfindung herum und gibst ihr damit größeren Bewegungsspielraum. Falls die Empfindung dadurch größer wird, gib ihr noch mehr Raum – auch wenn Du vielleicht Angst hast, dass sie dich überschwemmt oder Du die Kontrolle verlierst.


4. Schritt: Zulassen

Erlaube der Empfindung, da zu sein, auch wenn Du sie nicht mögen oder haben willst. Wenn Dein Verstand beginnt, das Geschehene zu kommentieren, bedankt Dich kurz bei ihm und kehre dann zum Beobachten der Empfindung zurück. Du wirst dies eventuell als schwierig empfinden. Vielleicht hast Du den starken Drang, gegen dieses Gefühl anzukämpfen oder es zu verdrängen. Wenn dem so ist, nimm diesen Drang einfach nur wahr. Zur-Kenntnis-Nehmen ist wie zur Bestätigung mit dem Kopf zu nicken, als würdest Du sagen: „Da bist du; ich sehe dich.


Egal wie viele Ablenkungen da sind, kehre immer wieder liebevoll zur Beobachtung Deiner Empfindung zurück. Denke daran, es geht nicht darum, das unangenehmen Gefühl loszuwerden oder zu verändern. Egal, ob sich die Empfindung verändert oder nicht, beides ist o.k. Denn das Ziel ist, mit ihr Frieden zu schließen, sie zuzulassen, auch wenn Du sie nicht magst oder haben willst. Wenn Du den Kampf mit diesem Gefühl wirklich losgelassen hast, wird es weniger Einfluss auf Dich haben, ungeachtet dessen, ob es sich verändert oder nicht.


Manchmal musst Du Dich vielleicht nur einige Sekunden auf die Empfindung konzentrieren; ein anderes Mal mehrere Minuten, bis Du schließen den Kampf gegen sie aufgibst. Hab Geduld; nimm Dir so viel Zeit, wie Du brauchst. Du erlernst hier eine äußert wertvolle Fertigkeit.

Und je öfter Du übst, umso leichter (und natürlicher) wird Dir die Anwendung fallen.


Wie geht’s weiter?

Scanne Deine Körper und wiederhole diesen Prozess bis Du alle unangenehmen Empfindungen losgelassen hast.

Hast Du Dich erfolgreich aus ihrem Einfluss befreit, nutze Deine Energie, um die Dinge zu tun, die für Dich wirklich sinnvoll und wichtig sind.


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